Interview mit ASFINAG

Der Prozess der Grundeinlöse

Die umfangreichen Grundeinlöse-Projekte der ASFINAG im Rahmen eines Autobahn- oder Schnellstraßenbaus können Jahre dauern. Die Basis für einen optimalen Prozess ist ein einfaches GIS – am Desktop und im Web – für alle Projektbeteiligten.

Geonews: Herr Rottensteiner, beschreiben Sie uns bitte Ihr Aufgabengebiet im Unternehmen ASFINAG.

Als Sachbearbeiter und Leiter des Grundeinlösepools Ost organisiere und verhandle ich mit meinem Team notwendige Grundeinlösen für Bauprojekte in Wien, Niederösterreich und im Burgenland. Bei unserer Arbeit haben wir unternehmensinterne Prozesse sowie einschlägige Gesetze und Regelwerke zu berücksichtigen. Im Speziellen können unbedingt notwendige Grundeinlösen gemäß §17ff BStG enteignet werden, wobei dies nur in 1 % der Fälle erforderlich ist.

 

Wie läuft ein Grundablöseprozess beim Bau eines neuen Straßenprojektes in groben Schritten ab?

Ein Neubauprojekt durchläuft in der Regel mehrere Projektphasen. In der Planungsphase werden die Grundeinlöse-Unterlagen erstellt, Sachverständige mit den Bewertungsgutachten beauftragt und bei großen Projekten Rechtsanwälte zur Vertragserstellung und Verhandlung eingesetzt. Mit Fortschreiten der Vertragsabschlüsse ist ein exaktes Monitoring aller relevanten Grundeinlöse-Daten für einen Projekterfolg unerlässlich. Es folgen die Detailplanung und die Bauphase mit dem Änderungsmanagement in der Grundeinlöse. Nach Baufertigstellung bilden die Katasterschlussvermessung und die Verbücherung den Endpunkt.

 

Sie setzen für den gesamten Prozess der Grundeinlöse zwei rmDATA-Produkte ein. Zum einen das Desktop-GIS rmDATA GeoDesktop, zum anderen die Web-GIS-Lösung rmDATA GeoWeb. Wie unterstützt rmDATA GeoDesktop Ihre Arbeit?

Im Jahr 2014 waren wir auf der Suche nach einer Software für anstehende Grundeinlöse-Projekte, wie die S3 Weinviertler Schnellstraße, die S1 Wiener Außenring Schnellstraße oder die S7 Fürstenfeld Schnellstraße. Wir wollten nichts gänzlich Neues erfinden und kompetente Unterstützung im Hintergrund haben – so sind wir auf rmDATA gekommen.
Der Aufbau eines Grundeinlöse-Projektes erfolgt in GeoDesktop durch unsere Straßenplaner, wobei wir diese Leistung ausschreiben. Die Straßenplaner ermitteln durch Verschneidung des Straßenbauprojektes mit dem Kataster die betroffenen Grundstücke und Eigentümer. In GeoDesktop haben wir eine eigene Fachschale entwickelt, mit der das Management der Grundeinlöseflächen und die Dokumentation der Vertragsabschlüsse erfolgt. So haben wir jederzeit Kenntnis über das Was, Wann, Wie und Wo. Änderungen können wir exakt behandeln.

Was ist der Vorteil dieser Arbeitsweise und in welcher Weise spielt die „Cloud“ eine Rolle?

Der Vorteil liegt in einem einheitlichen und zentralen System, wobei wir dafür einen eigenen Leitfaden geschaffen haben. Die Straßenplaner bearbeiten die Projekte im gleichen System wie wir. Wir stellen Ihnen dafür einen direkten Zugang über Citrix zur Verfügung. Sie speichern somit die Daten direkt auf unseren Servern. Dadurch haben wir immer den aktuellen Datenbestand, in den wir jederzeit einblicken können und über den wir auch die Kontrolle haben.

 

Nun zur Web-GIS-Lösung: Wie setzen Sie rmDATA GeoWeb ein?

Das WebGIS GeoWeb unterstützt das gesamte Projektteam von der Projektleitung über den Rechtsanwalt bis zum Fachplaner, denn es ermöglicht einen schnellen, einfachen Einblick in das Grundeinlöse-Projekt über das Web. So haben wir auch von unterwegs immer Zugriff auf aktuelle Daten. Interessierte können sich gerne das Musterprojekt unter asfinag.rmdatacloud.com ansehen.

ASFINAG betreut das WebGIS selbst durch den jeweiligen Sachbearbeiter in der Abteilung Grundeinlöse. Damit schaffen wir Verständnis und Kontrolle. Die Zusammenarbeit im Projektteam erfolgt im Wesentlichen über die Einsicht in den digitalen Grundeinlöseplan mit hinterlegten Farben (gelb = offen, grün = abgeschlossen usw…). Dazu hinterlegen wir die gewünschten Layer vom technischen Projekt bis zum Orthofoto oder die basemap.at. Während Besprechungen mit dem gesamten Projektteam läuft im Hintergrund der Projektor mit dem Web-GIS-Projekt. Bei einem Anruf am Arbeitsplatz hilft oft ein Blick ins Web-GIS, um schnell alle Informationen parat zu haben.

Welche Projektbeteiligten gibt es generell bei großen Straßenprojekten und wie erleichtert eine Cloud-Lösung die Zusammenarbeit?

Zu den bereits genannten Personen, wie Rechtsanwalt, Sachverständiger, Straßenplaner, Projektleiter und Techniker, kommen noch die Fachplaner, für die Ökoplanung oder elektromaschinelle Ausrüstung, dann natürlich die örtliche Bauaufsicht, die Ombudsperson, der Vermesser usw. Mit der Cloud-Lösung haben alle dieselben, aktuellen Fakten einfach und rasch per Internet-Browser am Laptop, Tablet oder Handy verfügbar. Bilder schaffen einfach mehr als tausend Worte.


Welche Vorteile und Nutzen sehen Sie in dieser Lösung?

Datenqualität und einfache Verfügbarkeit für alle steigern die Performance und senken die Kosten. Dafür muss man sich aber auch auf ein GIS einlassen und konsequent bleiben, was natürlich auch Aufwand bedeutet. Wir implementieren derzeit GIS-Projekte nur bei größeren Projekten.

Wo sehen Sie weiteres Potential? Welche künftigen Entwicklungen erwarten Sie?

Weiteres Potential sehe ich im Einsatz für kleinere Projekte. Wenn das System gut eingefahren ist, könnten wir auch in diese Richtung investieren. Mit dem zusätzlichen Vorteil, unsere Grundeinlöse-Daten gut geordnet und einfach abrufbar zu haben. Des Weiteren sehe ich Potential darin, dass der jeweilige Sachbearbeiter die Daten im GIS rmDATA GeoDesktop selbst bearbeiten kann. Vor allem bei kleineren Projekten kommt dies zum Tragen, denn damit wären wir noch schneller und flexibler!

 

Vielen Dank für das Gespräch! Das Interview führte Susanne Friedl-Steiner

Dipl. - Ing. Robert Rottensteiner,
Pool-Leiter Grundeinlöse, ASFINAG
Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft

 

 

Fotos: Im Rahmen eines Autobahn- oder Schnellstraßenbaus kommt es zu enormen Erdbewegungen. Langjährige Planungsphasen und Grundeinlöseprozesse gehen einem Straßenbau voraus. © ASFINAG

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